Mannheim 2019

2. FUTURE OF FAIR FINANCE IN MANNHEIM

BAUSTEIN DER ROADMAP SOCIAL ECONOMY DER STADT MANNHEIM

Unterstützer

Das Event

Die zweite Veranstaltung Future of Fair Finance in Mannheim am 20. November 2019 brachte erneut Sustainable Finance Experten sowie engagierte Banken, Unternehmen, NGOs und weitere Interessierte überwiegend aus der Metropolregion Rhein-Neckar zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Finanzwelt stärker als bisher eine sozial-ökologische Entwicklung fördern und unterstützen kann. 

Als Keynote Redner erläuterte Herr Dr. Jean-Pierre Bußalb von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), wie dynamisch die Entwicklung auf EU- und der deutschen Ebene derzeit verläuft (Download der Präsentation für Teilnehmende): Die Finanzwelt wird durch neue Verordnungen verpflichtet, viel mehr als bisher offen zu legen, welche Folgen ihre Geschäftsmodelle für die Umwelt und den Menschen hat. Damit das funktioniert, müssen auch die Firmen, die mit den Banken in Geschäftsbeziehungen stehen, transparenter als bisher aufzeigen, welche Umwelt- und Sozialfaktoren sie beeinflussen.

Alle Fotos auf dieser Seite von Lilly Leirich

Zudem werden absehbar europäische Akteure in der Finanzberatung  verpflichtet sein, den Kunden beim Beratungsgespräch nach sozial-ökologischen Präferenzen bei der Geldanlage zu fragen, und dann entsprechende Produkte anzubieten. Auch die BaFin selbst legt ein verstärktes Augenmerk auf Nachhaltigkeit: Sie wird noch im Dezember 2019 ein Merkblatt herausgeben, wie Banken und Versicherungen insbesondere Klimaschutzaspekte in ihr Risikomanagement integrieren sollten.

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Dr. Jean-Pierre Bußalb, Helmut Augustin (Vorstand der Sparkasse Rhein Neckar Nord) sowie Antje Schneeweiß (u.a. Südwind Institut und Mitglied des Sustainable Finance Beirats der Bundesregierung) wurden Chancen und Risiken der neuen Regulierungen kritisch beleuchtet: Insgesamt sah man aus allen drei Perspektiven deutlich mehr Chancen. Insbesondere durch mehr Standardisierung würden Unsicherheiten und Greenwashing-Möglichkeiten im Markt der nachhaltigen Geldanlagen geringer, was sehr hilfreich sei. Risiken wurden eher außerhalb der Regulierung zu Sustainable Finance gesehen, z.B. in einem weiterhin nicht hinreichend stabilen globalen Finanzsystem. Die Podiumsdiskussion wurde durch Markus Duscha (Fair Finance Institute) moderiert.

 

Wie wirkt sich dieser neue Rahmen auf die Akteure in der Region aus? Zunächst wurde diese Frage im Dialog mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) besprochen. Dazu interviewte Richard Buch von Facing Finance e.V. (Berlin) Heiko Schultze, der bei der LBBW Leiter für die Themen Nachhaltigkeit und ESG (Environment, Social und Governance) ist. Die Bank hat schon vor einigen Jahren das Thema Nachhaltigkeit als eine von vier strategischen Linien benannt. Seitdem werden Schritt für Schritt ökologische und soziale Kriterien in die verschiedenen Geschäftsfelder und Tochterunternehmen integriert. Auch wenn die LBBW laut dem Nachhaltigkeitsvergleichsportal Fair Finance Guide mittlerweile eine der nachhaltigeren großen Banken in Deutschland ist, gibt es noch genug zu tun, um die Praxis mit den Unternehmenszielen auch durchgängig in Einklang zu bringen.

 

Schließlich diskutierten Mannheimer Akteure, wie sich die Situation hier vor am Beispiel der Stadt Mannheim darstellt. Dazu moderierte Christian Röser (Starkmacher) das Podium mit Christiane Ram (Wirtschaftsförderung), Dr. Dominika Wruk (Institut für Mittelstandsforschung), Joachim Langer (Gemeinwohlökonomie Rhein-Neckar) sowie Giulia Heiser und Michael Kraft (Startup DuWo). Ausgehend von den strategischen Zielen des Leitbildes Mannheim 2030, das sich schon an den Sustainable Development Goals (SDGs) der UN orientiert, ist man hier mit Institutionen, wie z.B. dem S-Hub und weiteren Akteuren, schon auf einem guten Weg zu einer „Social Economy“.  Deshalb möchte man auch gar nicht allein auf die neue Sustainable Finance Regulierung warten. Neue Impulse würden aber gerne aufgenommen, wie zuvor schon die Sparkasse Rhein Neckar Nord aufgezeigt hatte. 

 

Moderiert durch Lale Jakob (Evermynd), die auch durch die gesamte Veranstaltung führte, wurden direkt solche neue Impulse im interaktiven Teil von den Teilnehmenden der Veranstaltung entwickelt: Wie z.B. einen schnellen, flexiblen Venture Capital Fonds für Sozialunternehmen. 

 

Beim anschließenden Networking-Dinner im Mafinex-Foyer wurden einige der Impulse gleich weiter diskutiert. Auch für die nächste Veranstaltung Future of Fair Finance in Mannheim im Jahr 2020, wahrscheinlich im Rahmen des European Social Economy Summits, wurden schon erste Ideen zusammengetragen. 

 

Das Fair Finance Institute und Starkmacher danken als Organisatoren der Veranstaltung allen Unterstützern (hier zuvorderst der Sparkasse Rhein Neckar Nord, der LBBW sowie der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim), den Referenten und Referentinnen, den Teilnehmenden und vielen weiteren helfenden Händen, und freuen sich auf ein Wiedersehen 2020!